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Oktober 2007 - DVD-Video
Eine Empfehlung der Redaktion des KulturSPIEGEL
Sie lächeln selbstvergessen und verklärt, manche gar entrückt, als hätten sie eine Erscheinung. Als Robert F. Kennedy in dem Film »Bobby« seine letzte Rede hält, am 5. Juni 1968 im Ambassador Hotel in Los Angeles, betrachten seine Anhänger ihn wie den Erlöser, als wäre der nationale Hoffnungsträger J. F. K., gestorben in Dallas, wiederauferstanden im Körper seines Bruders. Dann verändern sich ihre Gesichter jäh, ungläubiges Erstaunen weicht dem Entsetzen und schließlich der Verzweiflung. Denn Robert F. Kennedy wurde gerade vor ihren Augen niedergeschossen.Wie sie all diese emotionalen Aggregatzustände spielen, die ganzen Stars dieses Films von Sharon Stone über Anthony Hopkins und Martin Sheen und Demi Moore und Lindsay Lohan und Harry Belafonte bis Elijah Wood, das gerät dem Regisseur Emilio Estevez zum Inbild einer gewaltigen kollektiven Erschütterung. Die Stars sind in diesem Film kaum geschminkt: Ihre Gesichter sollen reine Bildfläche der Gefühle sein.
In seinem großartigen Ensemblefilm rekonstruiert Estevez die letzten Stunden vor dem Attentat auf Kennedy im Ambassador Hotel und erfindet sie zugleich neu. Gut ein Dutzend Handlungsfäden webt er um den Titelhelden, der selbst fast nie zu sehen ist. Da schläft der Hotelmanager mit einer Telefonistin, während seine Frau im Schönheitssalon eine alternde Diva für ihren Auftritt frisiert; da wartet eine tschechische Journalistin vergeblich auf ein Interview mit Kennedy, während zwei Wahlkampfhelfer ihren ersten LSD-Trip erleben.
Die Kamera bewegt sich mit einer dem glamourösen Ort angemessenen Eleganz zwischen den Figuren hin und her, lässt den Zuschauer teilhaben an kleinen Dramen und Komödien, erzählt von Ängsten und Hoffnungen in einer Zeit des Umbruchs. Dabei verbindet Estevez zwei weit voneinander entfernte Genres: den Hotel- und den Katastrophenfilm. Er entfaltet ein Panorama der US-Gesellschaft und beschreibt, wie die Menschen über alle Rassen- und Schichtengrenzen hinweg durch ein unheilvolles Ereignis vereint werden.
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