Ob nach Anschlägen oder gescheiterten Vermittlungsversuchen: Immer wieder gerät der noch andauernde Nahost-Konflikt in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Im Fokus steht dabei oft Jerusalem - die heilige Stadt, um die schon seit über 3000 Jahren gestritten wird. SPIEGEL GESCHICHTE beschreibt, warum die Metropole zum Zentrum der Juden, Christen und Muslime wurde. SPIEGEL-Autoren sowie Historiker, Theologen und Archäologen rekonstruieren die Geschichte der Stadt und stellen die heiligen Stätten vor. Der israelische Präsident Schimon Peres, 85, und der palästinensische Philosoph Sari Nusseibeh, 60, schildern die Verbindung ihrer Völker und ihre persönliche Beziehung zu Jerusalem.
Der eine Gott und viele Kriege haben Jerusalem zu einer Stadt gemacht,
die unvergleichlich und buchstäblich weltbewegend ist. Der bittere Konflikt zwischen
Israelis und Arabern um die Stadt in den Bergen Judäas, er ist nur ein weiteres
Kapitel einer 4000-jährigen Geschichte. Dieses Heft führt durch das höchst
wechselvolle Drama, in dem Juden, Christen und Muslime die Hauptrollen spielen,
angetrieben von Glaubenseifer und Machtstreben, Verblendung und der
Sehnsucht nach dem Paradies.
Welche Kräfte, sichtbare wie verborgene, das Gesicht Jerusalems prägten,
schildern SPIEGEL-Redakteure und renommierte Fachleute. Der Historiker
Tom Segev, der die Geschichte der von Mauer und Stacheldraht geteilten Stadt
erzählt (Seite 100), erzählt damit auch die Geschichte seiner Heimat: Er wurde
1945 in Jerusalem geboren.
Zu den herausragenden Zeugen seiner Epoche gehört der israelische Präsident
Schimon Peres. Im Gespräch mit den Redakteuren Annette Großbongardt und
Dietmar Pieper beschreibt Peres
die "spirituelle Macht", die
so viele Herrscher nach Jerusalem
zog. Er schildert auch sein
ganz persönliches Verhältnis zu
Israels Hauptstadt, die von der
Weltgemeinschaft bis heute
nicht anerkannt ist (Seite 22).
Für Großbongardt, die dieses
Heft konzipierte, war der Präsidentenpalast
vertrautes Terrain:
Als SPIEGEL-Korrespondentin
hatte sie bis 2005 sieben
Jahre in Jerusalem gelebt.
Die Gegenwart der Vergangenheit bekamen
mehrere SPIEGEL-Reporter an den historischen
Stätten zu spüren. Erich Follath schildert
den einzigartigen Mikrokosmos der Jerusalemer
Altstadt und ihrer Bewohner (Seite 120). Juliane
von Mittelstaedt begab sich ins Innerste der berühmten
Grabeskirche und ließ sich zur Nachtzeit
mit den Mönchen einschließen (Seite 128). Eine
Zeitreise in die Welt der jüdischen Ultraorthodoxen,
die mitten in
Jerusalem in einer
Stadt für sich leben,
unternahm Israel-Korrespondent Christoph Schult
(Seite 132). Wie sehr selbst die Archäologie ein Politikum
sein kann, erfuhr Clemens Höges bei den
Ausgrabungen in der "Davidstadt". Israelis wollen
beweisen, dass der biblische König David genau
dort seinen Palast hatte, und damit ihren Anspruch
auf Jerusalem als ewige Hauptstadt untermauern.
Aber auch Palästinenser wie Jawad Siyam sagen:
"Dieses Land hier ist uns heilig" (Seite 56).